Der Pflanzenöl-Komplex: Warum Palm-, Soja-, Sonnenblumen- und Rapsöl gemeinsam schwanken

Palmöl, Sojaöl, Sonnenblumenöl und Rapsöl machen den weitaus größten Teil des weltweit erzeugten Pflanzenöls aus. Für viele Zwecke - Frittieren, Lebensmittelherstellung, Biodiesel - lässt sich eines weitgehend durch ein anderes ersetzen. Deshalb sprechen Händler von einem Pflanzenöl-„Komplex“: Wird ein Öl knapp, weichen Käufer aus, und die anderen ziehen nach.

Vier Öle, vier sehr unterschiedliche Herkünfte

Palmöl stammt von einer Baumkultur, die vor allem in Indonesien und Malaysia wächst; beide Länder liefern zusammen den Großteil der weltweiten Palmölexporte. Die Palmen tragen das ganze Jahr und liefern je Hektar weit mehr Öl als jede einjährige Ölsaat, was Palmöl meist zum günstigsten der vier macht - neue Pflanzungen tragen aber erst nach Jahren, das Angebot passt sich also langsam an. Sojaöl ist ein Koppelprodukt der Sojaverarbeitung, die vor allem für Tierfutter stattfindet: Das Schrot ist meist mehr wert als das Öl, deshalb hängt die erzeugte Sojaölmenge stark von der Futternachfrage ab (siehe Crush Margin). Raps- und Canolaöl kommen aus der EU, Kanada und Australien, Sonnenblumenöl überwiegend aus der Schwarzmeerregion, wo die Ukraine und Russland zusammen weit mehr als die Hälfte der Weltexporte bestreiten.

2022: ein Schock, vier Preise

Das Frühjahr 2022 zeigte den Komplex in Aktion. Der Krieg in der Ukraine blockierte die Sonnenblumenölexporte über das Schwarze Meer, und Ende April verbot Indonesien kurzzeitig die Palmölausfuhr, um die heimischen Speiseölpreise zu dämpfen. Laut Weltbank-Daten stieg Sonnenblumenöl von durchschnittlich rund 741 Dollar je Tonne im Jahr 2019 auf 2.361 Dollar im März 2022 und Palmöl im selben Monat von rund 601 auf 1.777 Dollar; Raps- und Sojaöl erreichten ihre Spitzen im April und Mai 2022. Wer ein Öl nicht bekam, bot für die anderen mehr - und als sich das Angebot normalisierte, fielen alle vier gemeinsam zurück.

Die Verbindung zum Kraftstoff

Ein wachsender Teil des Pflanzenöls landet im Tank. Indonesien mischt Biodiesel aus Palmöl in seinen Diesel, die USA verarbeiten Sojaöl zu erneuerbarem Diesel, und die EU nutzt große Mengen Rapsöl für Biodiesel. Solche Beimischungsquoten schaffen eine Nachfrage, die kaum auf den Preis reagiert, und binden Pflanzenöle an Rohöl und Energiepolitik - wird Diesel teuer oder eine Quote erhöht, steigt die Nachfrage nach Pflanzenöl mit.

Warum die Abstände zwischen ihnen wichtig sind

Die vier Öle bewegen sich gemeinsam, aber nicht im Gleichschritt, und die Abstände zwischen ihnen erzählen eine eigene Geschichte. 2019 kostete Sojaöl im Schnitt rund 165 Dollar je Tonne mehr als Palmöl, im August 2026 lag der Abstand bei etwa 520 Dollar. Regionale Faktoren - eine Biokraftstoffpolitik, die ein Öl in den Tank zieht, ein Ernteproblem in einem Herkunftsland, eine Exportsteuer - können ein Öl monatelang von den anderen wegtreiben. Große Importeure wie Indien, der weltweit größte Käufer von Pflanzenölen, reagieren darauf, indem sie zwischen Palmöl und den anderen Ölen wechseln - was die Preise wieder aneinander heranzieht.

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Häufig gestellte Fragen

Warum ist Palmöl meist das günstigste Pflanzenöl?
Ölpalmen liefern je Hektar weit mehr Öl als einjährige Ölsaaten wie Soja, Raps oder Sonnenblumen und tragen das ganze Jahr. Diese niedrigeren Erzeugungskosten zeigen sich meist als Abschlag gegenüber den anderen Ölen.
Warum hängt Sojaöl von der Futternachfrage ab?
Sojabohnen werden vor allem wegen ihres eiweißreichen Schrots verarbeitet, das meist mehr einbringt als das Öl. Die erzeugte Sojaölmenge folgt deshalb dem Schrotbedarf der Tierhaltung.
Warum ist Sonnenblumenöl 2022 so stark gestiegen?
Die Ukraine und Russland liefern zusammen weit mehr als die Hälfte der weltweiten Sonnenblumenölexporte. Der Krieg 2022 blockierte die Verschiffung über das Schwarze Meer, und Käufer mussten kurzfristig auf andere Öle ausweichen.