Milchmarkt: Warum Butter, Käse und Milchpulver gemeinsam schwanken - und manchmal nicht
Veröffentlicht
Rohmilch verdirbt innerhalb weniger Tage, deshalb überquert kaum etwas davon Grenzen. Gehandelt werden die Produkte daraus: Butter, Käse, Milchpulver und Molke. Ihre Preise entscheiden den Milchmarkt - und am Ende auch, was Landwirte für ihre Milch bekommen.
Eine Milch, mehrere Produkte
Milch besteht im Kern aus Wasser, Fett und Eiweiß. Eine Molkerei trennt den Rahm ab und macht daraus Butter; die entrahmte Milch wird zu Magermilchpulver getrocknet. Ohne Entrahmen getrocknet entsteht Vollmilchpulver. Käse nutzt Fett und Eiweiß, und die beim Käsen übrig bleibende Flüssigkeit ist Molke, die zu Molkenpulver getrocknet wird. Weil Molkereien ihre Milch in das Produkt lenken können, das gerade am meisten einbringt, hängen diese Preise zusammen. In Deutschland ist der Zusammenhang sogar formalisiert: Der Kieler Rohstoffwert berechnet aus aktuellen Butter- und Magermilchpulverpreisen, was ein Kilogramm Milch wert ist.
Wenn Fett und Eiweiß getrennte Wege gehen
Der Zusammenhang ist kein Gleichschritt, denn Fett und Eiweiß haben unterschiedliche Abnehmer. Das deutlichste Beispiel lieferten 2016/17: Der EU-Referenzpreis für Butter stieg von rund 204 Euro je 100 kg am Tief 2016 auf rund 653 Euro am Hoch 2017, weil die Nachfrage nach Butter und Sahne wieder anzog. Gleichzeitig gab es Eiweiß im Überfluss - nach dem Ende der EU-Milchquote 2015 hatte die öffentliche Intervention mehrere Hunderttausend Tonnen Magermilchpulver aufgekauft, die jahrelang auf die Pulverpreise drückten. Der Milchwert einer Molkerei hängt an beiden Hälften, ein Butterboom allein ist daher noch kein Milchpreisboom.
Die träge Angebotsseite
Das Milchangebot reagiert langsam. Eine Kuh braucht rund zwei Jahre, bis sie Milch gibt, Herden lassen sich also nicht schnell vergrößern oder verkleinern. Zudem folgt die Milchmenge den Jahreszeiten: Weidebasierte Systeme erreichen ihren Höhepunkt im Frühjahr - in Europa etwa April bis Juni, in Neuseeland September bis November -, und eine Dürre, die das Gras verbrennt, senkt die Milchmenge schnell. Auch Politik wirkt: Als die EU-Quote im April 2015 endete, stieg die Erzeugung, die Preise fielen bis ins Jahr 2016, und die EU zahlte Landwirten in den letzten Monaten jenes Jahres Geld dafür, weniger zu melken. Über die Futterkosten hängt Milch außerdem, wie alle Tierhaltung, am Getreidemarkt.
Wo der Weltmarktpreis entsteht
Die EU, Neuseeland und die USA sind die größten Milchexporteure. Das meistbeachtete weltweite Signal kommt von der neuseeländischen Plattform Global Dairy Trade, die zweimal im Monat Auktionen abhält, vor allem für Vollmilchpulver - Chinas Importnachfrage nach Pulver hat dort großes Gewicht. EU-Preise wie die wöchentlichen Referenzpreise auf dieser Seite spiegeln den europäischen Markt; beide können sich wochenlang auseinanderentwickeln, wenn sich Angebot oder Nachfrage nur in einer Region verschieben.
Häufig gestellte Fragen
- Warum kann der Butterpreis stark steigen, während der Milchpreis kaum reagiert?
- Der Milchpreis spiegelt den Wert von Fett und Eiweiß. Steigt Butter (Fett), während Milchpulver (Eiweiß) schwach ist, heben sich beide Effekte teilweise auf - so geschehen in der EU 2017.
- Warum wird Rohmilch international kaum gehandelt?
- Sie ist leicht verderblich und sperrig. Zu Butter, Käse oder Pulver verarbeitet wird sie lagerfähig und günstig zu transportieren, deshalb findet der internationale Handel mit diesen Produkten statt.
- Was ist Global Dairy Trade?
- Eine Online-Auktionsplattform aus Neuseeland, die zweimal im Monat Auktionen abhält. Ihre Ergebnisse, vor allem für Vollmilchpulver, sind das weltweit meistzitierte Preissignal für Milchprodukte.