Terminmärkte einfach erklärt
"Terminmarkt" klingt oft nach etwas, das für Händler gemacht ist, nicht für Landwirte. Tatsächlich ist es umgekehrt: Terminkontrakte gibt es, weil Erzeuger eine Möglichkeit brauchten, sich einen Preis zu sichern, bevor überhaupt geerntet oder verkauft wurde — und genau das ist bis heute ihr wichtigster praktischer Nutzen.
Was ein Terminkontrakt tatsächlich ist
Ein Terminkontrakt ist eine standardisierte, börsengehandelte Vereinbarung, eine feste Menge eines Rohstoffs zu einem festgelegten Preis an einem bestimmten zukünftigen Termin zu kaufen oder zu verkaufen — zum Beispiel 5.000 Scheffel Weizen, Lieferung im Juli, zum heute vereinbarten Preis. "Standardisiert" ist dabei das entscheidende Wort: Anders als bei einer privaten Vereinbarung mit einem Käufer sind Menge, Qualitätsstufe und Lieferbedingungen von der Börse (CME, Euronext und andere) festgelegt — das macht den Kontrakt leicht handelbar und, für einen Landwirt noch wichtiger, leicht wieder auflösbar, bevor der Liefertermin überhaupt erreicht wird.
Warum Landwirte sie tatsächlich nutzen: Hedging
Hedging bedeutet, einen Termin- (oder Forward-)Kontrakt zu nutzen, um sich schon jetzt einen Preis für eine später zu verkaufende Ernte oder ein später zu kaufendes Betriebsmittel zu sichern. Wer im Herbst Weizen für eine Ernte im nächsten Juli aussät, kennt den Preis in sieben Monaten nicht — er könnte höher oder niedriger sein als heute. Der Verkauf von Terminkontrakten gegen die erwartete Ernte fixiert schon heute einen Preis; fällt der Kassapreis später niedriger aus, gleicht der Gewinn aus der Terminposition den Verlust beim physischen Verkauf ungefähr aus, und umgekehrt. Es geht nicht darum, richtig zu raten — sondern das Raten aus dem eigenen Budget herauszunehmen.
Basis: Warum der eigene Preis nie exakt der Terminpreis ist
Der notierte Terminpreis ist ein nationaler oder regionaler Referenzwert, nicht das, was das lokale Lagerhaus tatsächlich zahlt. Die Lücke zwischen beiden ist die Basis — beeinflusst durch die Entfernung zu Lieferpunkten, lokales Angebot und Nachfrage, Lagerkosten und die Qualität dessen, was tatsächlich geliefert wird. Ein Hedge sichert den Terminpreis; der tatsächlich realisierte Preis bleibt trotzdem Terminpreis plus (oder minus) Basis — das Basisrisiko verschwindet also nicht nur, weil der Terminanteil abgesichert wurde.
Ein einfaches Beispiel
Angenommen, es ist März und Juli-Weizen-Futures notieren bei 6,00 $/Scheffel. Ein Landwirt, der im Juli erntet, verkauft einen Terminkontrakt zu 6,00 $. Bis Juli können zwei Dinge passieren: Der Kassapreis für Weizen fällt auf 5,20 $ — der Landwirt verkauft die physische Ernte zu 5,20 $, aber die Terminposition gewinnt rund 0,80 $ dazu, sodass insgesamt nahe 6,00 $ erzielt werden. Oder der Kassapreis steigt auf 6,80 $ — der physische Verkauf bringt mehr, aber die Terminposition verliert nun rund 0,80 $, wieder nahe 6,00 $ netto. In beiden Fällen landet das Ergebnis in der Nähe des im März gesicherten Preises — genau dafür war der Hedge gedacht.
Wer sonst noch am Markt ist
Verarbeiter und Exporteure hedgen aus demselben Grund wie Landwirte, nur auf der Käuferseite — sie sichern sich einen Einkaufspreis statt eines Verkaufspreises. Auch Finanzhändler ohne jede Absicht, jemals Getreide zu liefern oder abzunehmen, handeln dieselben Kontrakte und sorgen für das Handelsvolumen und die Liquidität, die einen schnellen Ein- und Ausstieg aus einem Hedge überhaupt erst möglich machen. Wie stark dieser rein finanzielle Handel das zugrunde liegende Preisniveau beeinflusst, wird in der Forschung diskutiert; wovor ein Hedge schützen soll, hat damit aber ohnehin nichts zu tun.
Wo Hedging an seine Grenzen stößt
Ein Hedge fixiert einen Preis, nicht zwangsläufig den besten Preis — steigt der Markt nach dem Hedge stark an, entgeht einem dieser Aufwärtsgewinn auf den abgesicherten Teil. Terminpositionen können außerdem eine Margin erfordern (Bareinlagen während die Position offen ist, die bei ungünstiger Marktbewegung der Terminseite nachgeschossen werden müssen, bevor der physische Verkauf sie ausgleicht), und die Basis kann sich weiterhin unabhängig vom Terminpreis bewegen. Hedging tauscht Unsicherheit gegen Gewissheit ein, nicht das Risiko eines bestimmten schlechten Ausgangs — genau deshalb ist es ein Budgetierungswerkzeug, kein Weg, den höchstmöglichen Preis zu garantieren.
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